Deklaration verstehen
Wer Hundefutter oder Katzenfutter richtig beurteilen möchte, sollte nicht zuerst auf die Vorderseite der Verpackung schauen. Entscheidend ist die Deklaration: Dort steht, welche Zutaten verarbeitet wurden, wie transparent der Hersteller arbeitet und ob die Zusammensetzung wirklich nachvollziehbar ist.
Begriffe wie „mit Rind“, „Premium“, „natürlich“ oder „hoher Fleischanteil“ klingen gut. Die Zutatenliste zeigt jedoch oft genauer, was tatsächlich im Napf landet – wenn man weiß, worauf man achten muss.
Das Wichtigste in Kürze
Die Zutatenliste gehört zu den wichtigsten Bereichen auf einer Futterverpackung. Sie zeigt, welche Rohstoffe verarbeitet wurden und ob ein Hersteller klar benennt, was im Futter enthalten ist.
Besonders hilfreich ist eine offene Deklaration. Dort werden einzelne Zutaten und ihre Anteile konkret genannt. Auch Brühe sollte offen ausgewiesen werden, wenn sie bei der Herstellung von Nassfutter technisch notwendig ist.
Weniger transparent ist es, wenn Wasser oder Brühe rechnerisch dem Fleischanteil zugeschlagen wird. Das kann gesetzlich zulässig sein, macht die tatsächliche Zusammensetzung für Kunden aber schwerer nachvollziehbar.
Merke dir
Die Vorderseite verkauft. Die Zutatenliste verrät mehr.
- ✓Offene Deklarationen sind leichter zu bewerten.
- ✓Sammelbegriffe lassen viel Interpretationsspielraum.
- ✓Offen deklarierte Brühe ist ein Zeichen von Transparenz.
- ✓„Mit Rind“ kann bereits bei 4 % erfüllt sein.
- ✓Zusatzstoffe zeigen oft, was ergänzt werden musste.
Warum die Deklaration entscheidend ist
Die Deklaration ist einer der wenigen Bereiche, in denen ein Futtermittelhersteller konkrete Angaben machen muss. Gleichzeitig ist genau dieser Bereich für viele Tierhalter schwer zu lesen.
Das liegt an Fachbegriffen, rechtlichen Spielräumen und unterschiedlichen Formen der Deklaration. Manche Hersteller nennen Zutaten sehr genau. Andere arbeiten mit Sammelbegriffen, die zwar erlaubt sind, aber wenig über Herkunft, Qualität und tatsächliche Zusammensetzung verraten.
Für die Beurteilung von Hundefutter und Katzenfutter ist die Deklaration deshalb zentral. Sie zeigt nicht alles, aber sie zeigt genug, um deutliche Unterschiede zu erkennen.
Wer Zutatenlisten versteht, kann Marketingaussagen besser prüfen und sieht schneller, ob ein Futter zu einer artgerechten, fleischbasierten und möglichst natürlichen Ernährung passt.
Wie eine Deklaration aufgebaut ist
Zutaten werden in der Regel in absteigender Reihenfolge ihres Gewichts angegeben. Was mengenmäßig am meisten enthalten ist, steht also weiter vorne.
Wichtig ist: Die Angabe bezieht sich normalerweise auf den Zustand vor der Verarbeitung. Zutaten mit hohem Wasseranteil können dadurch zunächst stärker wirken, verlieren aber bei Trocknung oder Erhitzung einen Teil ihres Gewichts.
Die Reihenfolge ist deshalb ein wichtiger Hinweis, aber kein vollständiges Qualitätsurteil. Entscheidend bleibt, welche Zutaten verwendet wurden, wie klar sie benannt sind und wie stark das Futter verarbeitet wurde.
Offene und geschlossene Deklaration
Bei Tierfutter gibt es unterschiedliche Arten, Zutaten anzugeben. Der Unterschied ist groß: Eine offene Deklaration zeigt deutlich mehr als eine geschlossene Deklaration mit Sammelbegriffen.
Geschlossene Deklaration
Beispiel:
Fleisch und tierische Nebenerzeugnisse, Getreide, pflanzliche Nebenerzeugnisse, Mineralstoffe
Rohstoffe werden nicht konkret benannt. Welche Tierarten, welche Teile und welche Qualität verarbeitet wurden, bleibt weitgehend offen.
Offene Deklaration
Beispiel:
40 % Rindfleisch, 20 % Rinderherz, 10 % Rinderlunge, 28 % Brühe, 2 % Mineralstoffe
Rohstoffe, Anteile und Brühe sind klar benannt. Dadurch lässt sich besser einschätzen, was wirklich im Futter enthalten ist.
Warum Brühe ehrlich deklariert werden sollte
Bei der Herstellung von Nassfutter wird aus technischen Gründen Flüssigkeit benötigt. Je nach Rezeptur und Herstellungsverfahren können etwa 25 bis 30 Prozent Wasser notwendig sein, damit die Masse gleichmäßig verarbeitet, erhitzt und sauber in die Dose abgefüllt werden kann.
Die transparenteste Form ist es, diesen Anteil offen als Brühe oder Flüssigkeitsanteil in der Zusammensetzung auszuweisen. Dann sieht der Kunde klar, welcher Anteil aus Fleisch, Innereien und anderen Rohstoffen besteht – und welcher Anteil technisch notwendige Flüssigkeit ist.
Weniger transparent ist es, wenn dieser Wasseranteil rechnerisch dem Fleischanteil zugeschlagen wird. Das kann gesetzlich zulässig sein, wirkt auf der Verpackung aber oft hochwertiger, als es tatsächlich ist.
Transparent
40 % Rindfleisch, 20 % Rinderherz, 10 % Rinderlunge, 28 % Brühe, 2 % Mineralstoffe
Der Flüssigkeitsanteil wird offen genannt. Der Kunde erkennt klar, wie sich das Futter zusammensetzt.
Weniger transparent
98 % Fleisch und tierische Bestandteile, 2 % Mineralstoffe
Der Wasser- oder Brüheanteil wird nicht klar getrennt. Dadurch wirkt der Fleischanteil höher und die Zusammensetzung ist schwerer einzuordnen.
Beispiele für unterschiedliche Deklarationen
An Beispielen sieht man am schnellsten, wie unterschiedlich transparent Futter deklariert werden kann.
Geschlossen
Fleisch und tierische Nebenerzeugnisse, Getreide, pflanzliche Nebenerzeugnisse, Mineralstoffe
Wenig transparent. Herkunft, Tierart, Qualität und genaue Bestandteile bleiben unklar.
Teiloffen
Fleisch und tierische Nebenerzeugnisse, davon 20 % Rind, pflanzliche Bestandteile, Mineralstoffe
Etwas genauer, aber der Großteil bleibt unklar. Das klingt oft transparenter, als es tatsächlich ist.
Offen
40 % Rindfleisch, 20 % Rinderherz, 10 % Rinderlunge, 28 % Brühe, 2 % Mineralstoffe
Klarer Aufbau. Einzelne Rohstoffe, Mengenanteile und Brühe sind nachvollziehbar benannt.
Die sogenannte 4 %-Regel
Ein häufiger Irrtum entsteht durch Aussagen wie „mit Rind“, „mit Huhn“ oder „mit Lachs“. Viele Tierhalter gehen davon aus, dass diese Zutat den Hauptbestandteil des Futters ausmacht.
Tatsächlich kann eine solche Auslobung bereits erfüllt sein, wenn ein kleiner Anteil dieser Zutat enthalten ist. Das Futter kann also auf der Vorderseite nach Rind aussehen, während der überwiegende Teil aus anderen tierischen oder pflanzlichen Bestandteilen besteht.
„Mit Rind“ klingt nach viel Rind
Auf der Vorderseite wirkt eine Sorte schnell hochwertig und eindeutig. Große Schrift, schöne Bilder und Begriffe wie „mit Rind“ erzeugen beim Kunden eine klare Erwartung.
Entscheidend ist aber nicht die Vorderseite, sondern die vollständige Zusammensetzung auf der Rückseite.
mit Rind
Rückseite: erst dort steht der genaue Anteil
Was der Kunde sieht
Vorderseite: „Menü mit Rind“
Was hinten stehen kann
Fleisch und tierische Nebenerzeugnisse, davon 4 % Rind, Getreide, Mineralstoffe
Zusatzstoffe richtig einordnen
Viele Futtermittel enthalten zugesetzte Vitamine, Mineralstoffe und Spurenelemente. Diese Stoffe werden häufig eingesetzt, um das Produkt ernährungsphysiologisch zu vervollständigen und Verluste durch Verarbeitung, Erhitzung oder Lagerung auszugleichen.
Das ist bei industriell hergestelltem Futter weit verbreitet. Besonders bei stark verarbeiteten Futtermitteln kann ein Teil der ursprünglichen Nährstoffe verloren gehen oder nicht mehr in ausreichender Menge vorhanden sein.
Zusatzstoffe sind daher nicht automatisch ein Zeichen für ein schlechtes Futter. Sie zeigen aber, dass die Rezeptur technisch ergänzt wurde, damit am Ende ein bestimmtes Nährstoffprofil erreicht wird.
Typische Angaben
- ✓Vitamin A, Vitamin D3 oder Vitamin E
- ✓Zink, Kupfer, Eisen oder Mangan
- ✓Taurin, besonders bei Katzenfutter relevant
- ✓technologische Zusatzstoffe zur Haltbarkeit oder Verarbeitung
Naturbelassene Fütterung ohne synthetische Zusätze
Einige Hersteller verzichten bewusst auf zugesetzte synthetische Vitamine und Mineralstoffe. Stattdessen sollen die Nährstoffe aus den verwendeten Rohstoffen selbst stammen: aus Fleisch, Innereien, Brühe, Ölen, Kräutern oder anderen natürlichen Bestandteilen.
Dieser Ansatz erfordert hochwertige Ausgangsrohstoffe, eine durchdachte Rezeptur und eine schonende Verarbeitung. Denn wenn Nährstoffe nicht nachträglich ergänzt werden, muss die Zusammensetzung von Anfang an sorgfältig geplant sein.
Solche Produkte sind häufig als Ergänzungsfuttermittel gekennzeichnet. Das klingt für viele zunächst schwächer als „Alleinfuttermittel“, kann aber Teil eines naturbelasseneren Fütterungskonzeptes sein.
Rohstoffe
Die Qualität der Zutaten ist besonders wichtig, weil die Nährstoffe aus dem Lebensmittel selbst kommen sollen.
Rezeptur
Die Bestandteile müssen sinnvoll kombiniert werden. Nur natürlich klingend reicht nicht.
Einordnung
Ergänzungsfuttermittel können sinnvoll sein, müssen aber passend eingesetzt und beurteilt werden.
Was Zutatenlisten nicht zeigen
Eine Zutatenliste ist wichtig, aber sie zeigt nicht alles. Sie nennt Rohstoffe und manchmal Mengenanteile. Was sie nicht vollständig zeigt, ist die tatsächliche Qualität der Rohstoffe, ihre Herkunft, die Frische, die Verarbeitungstemperatur oder die Bioverfügbarkeit einzelner Nährstoffe.
Auch die individuelle Verträglichkeit lässt sich nicht allein aus der Verpackung ablesen. Ein Futter kann sauber deklariert sein und trotzdem nicht zu jedem Tier passen.
Trotzdem bleibt die Deklaration ein starkes Werkzeug. Sie hilft, grobe Unterschiede zu erkennen und Werbeaussagen mit der tatsächlichen Zusammensetzung abzugleichen.
Rohstoffqualität
Die Zutatenliste nennt Rohstoffe, sagt aber nur begrenzt etwas über deren tatsächliche Qualität aus.
Verarbeitung
Wie stark erhitzt, getrocknet oder technisch verändert wurde, ist oft nicht vollständig erkennbar.
Bioverfügbarkeit
Ob Nährstoffe gut aufgenommen und verwertet werden, lässt sich aus der Liste allein nicht sicher ablesen.
Verträglichkeit
Das eigene Tier bleibt entscheidend: Kot, Fell, Haut, Gewicht und Wohlbefinden gehören zur Bewertung dazu.
Unsere Empfehlung
Schau nicht nur auf die Vorderseite. Begriffe wie „mit Rind“, „Premium“ oder „natürlich“ sind schnell gelesen, aber oft wenig konkret.
Die eigentliche Bewertung beginnt bei der Zutatenliste. Je klarer Rohstoffe und Anteile benannt sind, desto besser lässt sich einschätzen, was im Napf landet.
Besonders bei Hunde- und Katzenfutter lohnt sich eine offene Deklaration mit nachvollziehbaren tierischen Bestandteilen, klaren Mengenangaben und offen ausgewiesener Brühe. Gerade der Brüheanteil ist kein Makel, sondern ein Hinweis darauf, dass der Hersteller die Zusammensetzung ehrlich sichtbar macht.
Wie es weitergeht
Auf der nächsten Seite geht es darum, wann eine Futterumstellung sinnvoll sein kann und welche Faktoren dabei eine Rolle spielen.
Denn selbst ein gutes Futter sollte nicht unüberlegt gewechselt werden. Verdauung, Gewohnheit, Alter, Gesundheit und individuelle Verträglichkeit spielen bei jeder Umstellung eine wichtige Rolle.
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Im nächsten Beitrag schauen wir uns an, wann eine Futterumstellung sinnvoll ist, worauf du achten solltest und warum nicht jedes Tier gleich schnell umgestellt werden sollte.
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