Deklaration - Zutaten lesen & verstehen
Warum die Deklaration entscheidend ist
Die Zutatenliste ist einer der wenigen Bereiche, in denen ein Futtermittel transparent sein muss. Gleichzeitig ist sie für viele Tierhalter schwer verständlich. Fachbegriffe, rechtliche Vorgaben und unterschiedliche Deklarationsformen erschweren eine realistische Einschätzung.
Wer die Grundlagen der Deklaration versteht, kann Futter deutlich besser einordnen – unabhängig von Marketing, Verpackung oder Werbeaussagen.
Wie eine Deklaration aufgebaut ist
Zutaten werden in der Regel in absteigender Reihenfolge ihres Gewichts vor der Verarbeitung angegeben. Das bedeutet: Bestandteile mit hohem Wasseranteil wirken zunächst mengenmäßig größer, verlieren aber während der Herstellung einen Teil ihres Gewichts.
Die Reihenfolge gibt Hinweise auf die Zusammensetzung, sagt aber allein noch nichts über die ernährungsphysiologische Qualität aus. Entscheidend ist immer der Zusammenhang zwischen Rohstoffen, Verarbeitung und Ergänzungen.
Offene und geschlossene Deklaration
Grundsätzlich lassen sich zwei Formen (und weitere Unterformen) unterscheiden:
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Offene Deklaration:
Die verwendeten Rohstoffe werden konkret benannt (z. B. 40% Rindfleisch, 25% Rinderherz, 8% Leber, usw.). -
Geschlossene Deklaration:
Es werden Sammelbegriffe genutzt (z. B. Fleisch und tierische Nebenerzeugnisse).
Beide Formen sind rechtlich zulässig. Eine offene Deklaration ermöglicht jedoch eine deutlich bessere Einordnung der Zusammensetzung, da Herkunft und Art der Rohstoffe nachvollziehbar bleiben.
Beispiele für unterschiedliche Deklarationen
Geschlossene Deklaration (Sammelbegriffe)
Beispiel:
Fleisch und tierische Nebenerzeugnisse, Getreide, pflanzliche Nebenerzeugnisse, Mineralstoffe
Einordnung:
Die verwendeten Rohstoffe werden nicht näher benannt. Herkunft, Art und Qualität bleiben offen. Diese Form ist rechtlich zulässig, bietet aber nur wenig Orientierung.
Teiloffene Deklaration
Beispiel:
Fleisch und tierische Nebenerzeugnisse (davon 20 % Rind), pflanzliche Bestandteile, Mineralstoffe
Einordnung:
Ein Bestandteil wird konkret benannt, der Großteil der Zusammensetzung bleibt jedoch unklar. Diese Form wirkt minimal transparenter, lässt aber weiterhin sehr viel Interpretationsspielraum.
Offene Deklaration (Einzelrohstoffe)
Beispiel:
40% Rindfleisch, 20% Rinderherz, 10% Rinderlunge, 28% Brühe, 2% Mineralstoffe
Einordnung:
Die verwendeten Rohstoffe und ihre Anteile sind klar benannt. Diese Form ermöglicht eine realistische Einschätzung der Zusammensetzung.
Hervorgehobene Zutat
(„4%-Regel“)
Auf der Vorderseite:
Mit Rind
In der Zutatenliste:
Fleisch und tierische Nebenerzeugnisse (4 % Rind), Getreide, Mineralstoffe
Einordnung:
Die Auslobung bedeutet rechtlich lediglich, dass mindestens 4 % der genannten Zutat enthalten sind. Der überwiegende Anteil kann aus anderen Rohstoffen bestehen.
Deklaration mit synthetischen Zusätzen
Beispiel:
Zusammensetzung: Huhn (30 %), Reis, tierische Fette
Zusatzstoffe je kg: Vitamin A 10.000 I.E., Vitamin D3 500 I.E., Vitamin E 100 mg, Zink, Kupfer, Eisen
Einordnung:
Vitamine und Mineralstoffe werden nachträglich ergänzt, meist um Verluste durch Verarbeitung auszugleichen. Diese Zusätze erfüllen eine technische Funktion und müssen hinzugefügt werden, damit das Produkt als „Alleinfuttermittel“ gilt.
Deklaration ohne synthetische Zusätze (naturbelassen)
Beispiel:
Zusammensetzung: 45% Rindfleisch, 20% Rinderherz, 8% Rinderleber, 27% Brühe, Kräuter, Öle
Keine zugesetzten Vitamine oder Mineralstoffe
Einordnung:
Die Nährstoffe stammen aus den verwendeten Rohstoffen selbst. Diese Form erfordert hochwertige Zutaten und eine sorgfältige Zusammensetzung. Oft findet man solch ein Futter auch mit dem Hinweis „Ergänzungsfuttermittel“
Die sogenannte „4%-Regel“ in der Deklaration
Ein häufiges Missverständnis betrifft die Hervorhebung einzelner Zutaten. Wird beispielsweise „mit Rind“ oder „mit Lachs“ ausgelobt, bedeutet das rechtlich lediglich, dass mindestens 4 % dieser Zutat enthalten sein müssen.
Die restlichen Bestandteile können aus völlig anderen Rohstoffen bestehen, ohne dass dies auf der Vorderseite ersichtlich ist. Diese Praxis wird oft als „4%-Lüge“ bezeichnet, ist jedoch gesetzlich erlaubt.
Ein Blick in die vollständige Zutatenliste ist deshalb immer sinnvoller als die Aussage auf der Verpackung.
Zusätze – warum sie eingesetzt werden
In vielen Futtermitteln werden Vitamine, Mineralstoffe und Spurenelemente zugesetzt. Diese synthetischen Zusätze dienen dazu, Verluste auszugleichen, die durch Verarbeitung, Erhitzung oder lange Lagerung entstehen.
Synthetische Vitamine sind nicht grundsätzlich problematisch. Sie erfüllen eine technische Funktion, ersetzen jedoch natürliche Nährstoffquellen und verändern die ursprüngliche Zusammensetzung des Futters.
Naturbelassene Fütterung ohne synthetische Zusätze
Es gibt Hersteller, die bewusst auf synthetische Vitamine und Mineralstoffe verzichten. Stattdessen setzen sie auf naturbelassene Rohstoffe, deren Nährstoffe aus der ursprünglichen Zusammensetzung stammen.
Diese Art der Fütterung erfordert:
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hochwertige Ausgangsrohstoffe
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schonende Verarbeitung
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ein ausgewogenes Verhältnis der Bestandteile
Der Vorteil liegt darin, dass Nährstoffe in ihrer natürlichen Form vorliegen und vom Körper oft besser verwertet werden können.